KlardenkerIn des Tages
Carsten Bittner Ich bin gegen die zwangsweise Einführung der Primarschule, weil meine Frau und ich selbst entscheiden wollen, welche Schullaufbahn für unsere vier Kinder richtig ist |
Login
Unser Newsletter
Online
KeineSchlagzeile
Wie sowohl der NDR als auch die WELT berichteten, kämpft das Herzstück der Schulreform, die Stadtteilschule, mit gehörigen Akzeptanzproblemen. Während die Senatorin überall die Werbetrommel für die Primarschule rührt, scheint sich niemand wirklich um den unumstrittensten Teil der Reform zu kümmern. Die Stadtteilschule, in der Haupt-, Real- und Gesamtschulen ab diesem Sommer aufgehen werden, ist auch Konsens der Enquête-Kommission gewesen und soll mehr SchülerInnen als bisher zu einem hohen Bildungsabschluss führen. Statt nun die Kraft auf die Bewältigung dieser Riesenreform zu konzentrieren, verkämpft sich die Behörde an unnötiger Stelle, um die heftig kritisierte Primarschule gegen weite Teile der Bevölkerung durchzudrücken.
|
| Antwort email von Ties Rabe |
|
| Geschrieben von: Ties Rabe |
| Sonntag, 14. Februar 2010 um 21:17 Uhr |
|
Allerdings sind diese Strukturreformen kein Selbstzweck, sondern müssen sich daran messen lassen, ob und wie viele Vorteile sie bringen. Es gibt viele weitere sinnvolle Verbesserungen, die das gleiche Ziel verfolgen und ebenfalls deutliche Vorteile bringen. Dazu zählen beispielsweise eine Reform des Unterrichts oder gezielte Förderungsmaßnahmen für die Kinder, die es aufgrund ihrer sozialen Lage in unserem Schulsystem besonders schwer haben. Das sind rund 25 Prozent. Viele sinnvolle Ideen liegen dazu vor: Ausbau von Ganztagsschulen, Vorschulen, Sprachförderung, Frühförderung vor der Schule, Integration der Eltern, die Schulen in schwierigen Stadtteilen in Zusammenarbeit mit allen sozialen Institutionen zu einem Ort des sozialen Lebens entwickeln... Das alles könnte man tun, aber man muss abwägen, was am meisten nützt. Denn die Ressourcen sind begrenzt. Der Haushalt gibt nicht für alle Wünsche Geld her. Die Manpower der Behörde reicht nicht aus, um 25 Baustellen auf einmal voranzubringen. Und auch die Reformbereitschaft und -kraft der Lehrer, Eltern und Schüler hat ihre Grenzen. Wer das weiß, der wägt ab. Und der muss - wie Sie es zu Recht anmerken - zu dem Ergebnis kommen: Die Primarschule bringt vermutlich wenig. Wenn Hamburgs Familien unterschiedlicher sozialer Herkunft nicht zusammen wohnen, dann ist die Wirksamkeit einer gemeinsamen Schule begrenzt. >(...) Aber die Primarschule frisst alle Ressourcen, die wir für andere Reformen brauchen. Moderner Unterricht, bessere Schulen in den sozialen Brennpunkten, bessere Angebote - das kann man weitgehend vergessen, wenn sich alle Kräfte zwangsläufig weiter auf die Primarschule fixieren. >(...) In Bezug auf die Prognose der Grundschulen ist der eigentliche Skandal, dass die Behörde etwas abschaffen will, was sie selbst nicht einmal genau kennt. Verlässliche Zahlen dazu gab es gar nicht, bis die SPD mit einer Reihe von Anfragen den Senat gezwungen hat, erstmals Daten zu erheben. Diese Daten sind noch immer lückenhaft. Niemand weiß, wie viele Kinder ohne Gymnasialempfehlung am Gymnasium die Orientierungsstufe überstehen, niemand weiß, wie viele die Klasse 10 abschließen, niemand weiß, wie viele Abitur machen. Einzelne Stichproben sagen: 20% der Hamburger Gymnasiasten haben keine Gymnasialempfehlung 6% der Gymnasiasten scheitern in der Orientierungsstufe Klasse 5/6. Darunter sind aber auch viele mit (!) Gymnasialempfehlung. Vermutlich (Stichprobe) 50% der Gymnasiasten ohne Empfehlung machen Abitur, bei den anderen sind es 75% (obwohl dort die Grundschullehrer mit ihrer Prognose überzeugt waren, die schaffen alle das Abitur...) Konklusio: Prognosen sind immer so schwierig, weil sie mit der Zukunft zu tun haben... |


