KlardenkerIn des Tages
Carsten Bittner Ich bin gegen die zwangsweise Einführung der Primarschule, weil meine Frau und ich selbst entscheiden wollen, welche Schullaufbahn für unsere vier Kinder richtig ist |
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Wie sowohl der NDR als auch die WELT berichteten, kämpft das Herzstück der Schulreform, die Stadtteilschule, mit gehörigen Akzeptanzproblemen. Während die Senatorin überall die Werbetrommel für die Primarschule rührt, scheint sich niemand wirklich um den unumstrittensten Teil der Reform zu kümmern. Die Stadtteilschule, in der Haupt-, Real- und Gesamtschulen ab diesem Sommer aufgehen werden, ist auch Konsens der Enquête-Kommission gewesen und soll mehr SchülerInnen als bisher zu einem hohen Bildungsabschluss führen. Statt nun die Kraft auf die Bewältigung dieser Riesenreform zu konzentrieren, verkämpft sich die Behörde an unnötiger Stelle, um die heftig kritisierte Primarschule gegen weite Teile der Bevölkerung durchzudrücken.
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| Reaktion auf Elternbrief Nr 12 |
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| Geschrieben von: Kerstin Kleenworth |
| Montag, 08. März 2010 um 17:06 Uhr |
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Sehr geehrte Frau Schulsenatorin! Vielen Dank für Ihren Elternbrief Nr.12. Zuerst möchte ich mich Ihnen vorstellen, damit Sie wissen, wer Ihnen schreibt: Mein Name ist Kerstin Kleenworth, ich bin in Hamburg geboren, aufgewachsen und lebe mit meiner Familie in Hamburg-Bergedorf. Ich bin mit „Leib und Seele“ Hamburgerin und unglaublich stolz, Bürgerin dieser wunderbaren Stadt zu sein!Meine Söhne (12 und 13 Jahre) besuchen die 7. Klasse des Hansa und des Luisen Gymnasiums und meine kleine Tochter (9 Jahre) ist für die kommende 5. Klasse des Luisen-Gymnasium angemeldet.Ich verfolge das Thema Schulpolitik mit großem Interesse, obwohl meine Kinder, auf den ersten Blick, nicht davon betroffen sind.Allerdings auf den zweiten Blick schon. Doch dazu später mehr. Voranschicken möchte ich, daß ich mich nicht zur Elite Hamburgs zähle, ansonsten würde ich meine Kinder sicherlich in ein gutes englisches Privat-Internat schicken. Wir Eltern (und ich als Elternvertreterin einer 7. Klasse am Hansagymnasium) haben in der letzten Woche Ihren 12. Schulbrief erhalten. Dazu möchte ich gern wie folgt, Stellung nehmen: Schon im ersten Absatz ist eindeutig der Fehlerteufel zu erkenne! Ich habe die „Verhandlungen“ (ich stelle sie mit Absicht in Anführungszeichen) mit großem Interesse verfolgt und frage mich ernsthaft, in wiefern der Hamburger Senat weitreichende Angebote gemacht hat. Ich habe diese nicht erkennen können. Vielleicht klären Sie mich diesbezüglich auf. Ich habe „Verhandlungen“ in Anführungszeichen gesetzt, weil ich nicht erkennen konnte, daß der Senat wirklich Interesse an einer fairen Lösung hatte. Herr Kerstan schickte am Anfang der Gespräche ein Statement in die Welt, daß mich erschaudern lies. „Eine nicht-flächendeckende Einführung der Primarschule ist verfassungswidrig...“ Auch ich bedaure sehr, daß es durch dieses Chaos eine große Unsicherheit in der Hamburger Bevölkerung gibt. Nun meine Fragen zum weiteren Inhalt Ihres Briefes: Erst auf Druck der Bevölkerung haben Sie das Elternwahlrecht nachgearbeitet: Wir werden nun, statt in der 4. Klasse, erst in der 6. Klasse entscheiden können, wohin unsere Kinder gehen dürfen. Ich sehe darin eine absolute Verschlechterung! Waren es bis dato 2 Jahre, in denen sich die Kinder einleben und -arbeiten konnten, müssen sie nun nach einem Jahr zeigen, was in ihnen steckt. Sie als ehemalige Lehrerin wissen doch, daß viele Kinder dazu länger brauchen. Denn die verbindlichen Empfehlungen werden ja schon Ende Januar ausgesprochen. D.H. im Klartext, die Kinder haben nur 5 Monate Zeit .... Darin kann ich beim besten Willen keine Verbesserung erkennen! Oder habe ich das falsch verstanden? Auch ist es so, daß die Kinder, die einen Haupt- bzw. Realschulabschluß machen werden, dann nur noch 3 bzw. 4 Jahre zusammen sein werden. Auch das finde ich sozial unverträglich! Ich habe 2 pubertierende Söhne und glauben Sie mir, diese beiden Knaben haben genug mit sich selbst zu tun und es wäre für beide Kinder ein Katastrophe, wenn sie im letzten Sommer ihr ganzes schulisches Umfeld hätten wechseln müssen! Das Geschenk an die SPD, das Büchergeld zu streichen und damit die Unterstützung für Ihre Schulreform zu erhalten, ist auch auf den ersten Blick wunderbar. Auf den zweiten Blich allerdings frage ich mich: WER bezahlt das? Sicherlich nicht die CDU/GAL aus der Portokasse. D.h. auch dieses Geld kommt noch mal auf uns Hamburger Steuerzahler zu. Wie viele Millionen sind es mittlerweile???? Darauf habe ich bis jetzt keine Antwort finden können. Auch das finde ich nicht sozial verträglich! Als letzten Punkt in Ihrem Brief ist mir aufgefallen, daß – auch wieder auf den ersten Blick – die neuen Klassengrößen, wunderbar sind! Beim genaueren Hinsehen mußte ich aber auch dort wieder merken, daß meine Kinder wiederum nicht von der geplanten Schulreform profitieren werden, da diese Größen NICHT EINEM KIND nutzen, das zur Zeit schon zur Schule geht. Zum Schluß nehme ich noch mal den Punkt auf, daß meine Kinder nur auf dem zweiten Blick von der Reform betroffen sind! Zwei meiner Kinder werden ab nach den Sommerferien das Luisen-Gymnasium besuchen. Meine Tochter dann in der 5. Klasse und mein Sohn dann die 8. Klasse. Wir haben uns extra für diese Schule entschieden, da sie einen Musikzweig führt und unsere Kinder außerordentlich musikalisch sind. (Sie singen bei dem Hamburger Alsterspatzen, treten damit in Opern auf und spielen versch. Instrumente). Nun muß ich doch sehr um diese Schule bangen, denn nicht nur, daß die 13. Klasse ab diesem Jahr wegfällt, Sie haben den Aufbauzweig abgeschafft (und so müssen die lernwilligen Kinder ab Sommer jeden Tag ihre insgesamt 16 km lange Fahrt nach Vierlanden hin- und zurück antreten. Ob das sozial verträglich ist stelle ich anheim). Wenn Sie nun auch noch die 5. und 6. Klasse kappen, stellt sich mir als Mutter wirklich die Frage, ob Sie nicht diese Schule vernichten wollen? In der Bergedorfer Zeitung war außerdem zu lesen, daß gerade an unserer Schule massiv nach „Nicht-.Hamburgern“ gesucht wird. Was passiert mit der Schule? Was mit unseren guten Lehrern, die sich ja auch mit guten Gründen unsere Schule ausgesucht haben. Sie verstehen sicherlich, daß ich mit all diesen Zweifeln nicht für Ihre Schulreform sein kann und in den kommenden Monaten all meine Kraft in den Volksentscheid steckt – damit meine Kinder nicht irgendwann ein Oberstufenzentrum zwangsbesuchen müssen, weil Sie unsere Schule abgeschafft haben. Mit unzufriedenen Grüßen Kerstin Kleenworth |


