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Wie sowohl der NDR als auch die WELT berichteten, kämpft das Herzstück der Schulreform, die Stadtteilschule, mit gehörigen Akzeptanzproblemen. Während die Senatorin überall die Werbetrommel für die Primarschule rührt, scheint sich niemand wirklich um den unumstrittensten Teil der Reform zu kümmern. Die Stadtteilschule, in der Haupt-, Real- und Gesamtschulen ab diesem Sommer aufgehen werden, ist auch Konsens der Enquête-Kommission gewesen und soll mehr SchülerInnen als bisher zu einem hohen Bildungsabschluss führen. Statt nun die Kraft auf die Bewältigung dieser Riesenreform zu konzentrieren, verkämpft sich die Behörde an unnötiger Stelle, um die heftig kritisierte Primarschule gegen weite Teile der Bevölkerung durchzudrücken.
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| Brief an Frontal21 |
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| Geschrieben von: Ulrike Janusch |
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Die öffentlich rechtlichen Fernsehsender sind offensichtlich der Allianz beigetreten. Wie sonst ist die Recherchemüdigkeit zu erklären und ein Beitrag in Frontal21, der nur wieder die üblichen Platitüden aufzählt ohne kritisch hinter die Kulissen zu schauen. Uns erreichte ein erster Brief an die Redaktion, den wir Ihnen nicht vorenthalten wollen. Hallo Frau Birte Meier! Gestern Abend mußte ich in der Sendung frontal 21 ihren schlecht recherchierten Bericht sehen. Ich gehöre der Elite der Strafvollzugsbediensteten an. Das ist das Beste, was ich aus meiner mittleren Reife rausholen konnte. Hätte ich damals Abitur gemacht, wäre mir die Möglichkeit geblieben, als Abteilungsleiter im gehobenen Dienst zu arbeiten. Das heißt kein Schichtdienst und deutlich mehr Geld. Mit Abitur haben meine drei Söhne deutlich mehr Auswahl zwischen den einzelnen Berufen. Zur Stadtreinigung können sie dann immer noch gehen. Auf welcher Haupt- oder Gesamtschule waren Sie denn vor ihrem Journalistik Studium? In der Grundschule waren meine Söhne mit den Kindern aus den bildungsfernen Schichten in einer Klasse. Diese Kinder sind von Klasse zu Klasse schlechter geworden. Drei von ihnen wären gar nicht in die vierte Klasse versetzt worden. Da irgendwelche Entscheider, die von sich behaupten sie wären Fachleute, meinen, sitzenbleiben würde ein Trauma auslösen, bleiben diese Kinder nicht sitzen. Wenn diese Kinder die Schule nicht selbst abbrechen, weil ihnen die Lust auf Schule ganz abhanden kommt, werden sie vielleicht bis zum Ende durchgeschleppt und bekommen sogar einen Hauptschulabschluß. Nur einen Brief werden diese ihnen nie schreiben können, außer vielleicht in Lautschrift.Meine Insassen im Gefängnis haben meist diese Schulkarrieren hinter sich. Diese Familien leben seit Generationen von Sozialhilfe. Schule war doof und arbeiten macht auch keinen Spaß. Der Staat finanziert dieses Leben und wenn das Geld für Ed Hardy und die neueste Spielekonsole nicht reicht, wird eben geklaut oder mit Drogen gedealt. Es wäre schön wenn der Staat endlich beginnen würde, diesen Teufelskreis zu durchbrechen, denn ich sehe die nächste Generation täglich im Dienst, wenn sie ihre Väter im Gefängnis besuchen. Je früher diese Kinder von Ausgebildeten Pädagogen gefördert werden, desto besser. Aber längeres gemeinsames lernen, mit intelligenteren Kindern im gleichen Raum sitzen, das kann keinen Erfolg bringen. Das sagt doch schon der gesunde Menschenverstand. Und ihre Europavergleiche sind ähnlich dumm. Sie vergleichen im Ansatz die Schulstrukturen und wollen sich Ländern angleichen, die wirtschaftlich noch viel schlechter dastehen als Deutschland. In Portugal gehen viele nach der fünften Klasse gar nicht mehr in die Schule, sondern arbeiten in der Landwirtschaft. Hilft uns auch nicht weiter. Machen Sie lieber mal einen Bericht, in dem gefordert wird, das über Bildung auf Bundesebene entschieden wird. Wir sollen Europäer sein und haben von Schleswig-Holstein nach Hamburg schon ein Bildungsgefälle. Das war vor dreißig Jahren schon so. Mitschüler, die aus Schleswig-Holstein nach Hamburg in meine Klasse kamen, konnten sich erstmal ein Jahr ausruhen. Mein Cousin und meine Cousine, verschiedene Altersstufen und Schulen, aber zeitgleich von Hamburg nach Schleswig-Holstein gezogen, durften Beide ein Schuljahr wiederholen. Primarschule hatten wir auch schon. Hieß damals sechsjährige Grundschule und wurde zum Glück aufgrund ihrer Erfolglosigkeit wieder abgeschafft.Henning Voscherau ehemaliger Bürgermeister Hamburgs hat am 13.Juni 2008 seine eigenen Erfahrungen mit dieser Schulform sehr schön im Hamburger Abendblatt geschildert. P. Bargstädt, Hamburg |

